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Auf einem Zettel im Gebüsch steht: „Da ist diese Handvoll Fehlen in mir, die ich nur spüre, wenn ich sie bemerke. Die Leerstelle wohnt in mir und beklemmt dort, wo sich links und rechts Teile von mir niederlassen wollen. Immer dann, wenn ich wachsen will – mich in mir ausbreiten? – macht sich das Gewicht von Allem, das nicht mehr sein kann, bemerkbar. Eine Abwesenheit ist merklich anwesend aber ihr Inhalt ist mir fremd und muss es bleiben. Ein Schwarzes Loch, das dem Wissen um seinen Kern vorauseilt und es vereitelt. Ich stürze darauf zu und weiss nicht wohin aber ich vermute, wie ein Klumpen wäre die Idee von Glück darin. Ich glaube, ich bin am Gehen – so, wie andere am Leben sind.“

Der Tod, so sagt man, ist ein Tabu hierzulande. Er darf nicht sein. Aber das scheint den Tod zu kitzeln und er bleibt, in allem Dingen angelegt. Auch hier, nur eben versteckt. Wer ihn sucht, muss sein Fehlen finden. Vor einigen Tagen habe ich von Yves gehört, er habe sich als Sollbruchstelle im Gesetz versteckt. Oder besser: er fehle darin und habe sich dementsprechend breit gemacht. In Deutschland gebe es zum Beispiel das ‚Prinzip der Bestattung auf definierten Flächen‘, in Österreich das ‚Gesetz zur Regelung des Leichen- und Bestattungswesens‘. Schweizweit hingegen existiere nichts dergleichen: der sogenannte Friedhofszwang gilt hier nicht. Die Schweiz sagt ihren Toten nicht, wo sie sein dürfen, weil sie ihren Angehörigen natürlich trotzdem fehlen, überall. Weil das so ist, kommen Menschen aus anderen Ländern über die Grenze, um die Asche ihrer Angehörigen auf Wiesen, im Wasser oder in der Luft zu verteilen.

Ein paar Wochen dauert sie noch, die Bachsaison am Seewäsee. Yves und ich machen uns auf den Weg und ich packe den Zettel ein.