Himel, Ärdä, Luft und miär



«Himel, Ärdä, Luft und miär» is a phrase in the Obwalden dialect to express astonishment. It is used less and less often.



















Einleitung Was bedeutet es, irgendwo aufzuwachsen? Dieser Himmel, dem wir entgegenwachsen – ist das derselbe für Alle?

In Obwalden berühren die Wolken  den Boden jedenfalls nie, weil immer irgendwo Berge sind. Das Leben ist vertikal, hier besonders. Sogar Engelberg (ein Stück Obwalden ausserhalb davon) ist umgeben. Trotz diesem Mauerwerk, die Berge halten die Zeit nicht auf, haben sie nie. Wie so oft mit Grenzen, machen sie unterschiedliche Geschwindigkeiten vielleicht einfach etwas sichtbarer. Die Bergspitzen rund um den Sarnersee sind weder  erhaben noch hoch. Ihre Konturen sehen eher aus, wie Buchstaben einer zittrigen Handschrift. Von Verlusten könnte man daraus erzählen, würde aber über beachtliche Zufälle stolpern.

Der Ort an dem ich aufgewachsen bin ist ein Zwischenraum und die Menschen hier sind im dazwischen-sein gut beschrieben. Vielleicht stimmt, was Kari uns einmal im Huwel erzählt hat und man muss nur sehen, was sich der Himmel hier in der Mitte gelassen hat: ein Meer, kein Miär.
Introduction What does it mean to grow up somewhere? And this supposed ceiling we grow up against – is it the same for everyone?

In Obwalden the clouds never touch the ground for there are mountains, always. Life is vertical, here especially. Even the village of Engelberg (a piece of Obwalden somewhere else) is closed in. Despite all these walls, the mountain ridges never did and definetely do not today eliminate change. As it happens so often with borders they might have made change just a bit more visible. The surrounding crests are neither sublime nor particularly dramatic. It’s more like their contours seem to be characters of quite a shaky handwriting. In it one can read stories of loss just as easily as such of strange incidents.

To me, the place I grew up in is a liminial place and everyone here is best described by being in between. Perhaps it is true and Obwalden could be seen best by looking at what it has put in its center – a lake (”Meer”) instead of somebody (”Miär”).






















































“o wee
kä pfarer
kä fäldmuiser mee
d muetter gottes im museum
drfir alles w w w dot com
häilige bimbam”

–Hanspeter Müller-Drossaart










































Der Legende nach benutzte Niklaus von Flüe einen Stein als Kopfkissen, als er im 15. Jahrhundert ins Ranft zog. Seit seiner Heiligsprechung ist die Wirkstätte zum Zentrum eines regen Pilgertourismus geworden. Verschwindet ab und an der Stein in der Kapelle, wird er mit einem Stein aus dem nahen Fluss Melchaa ersetzt.

It is said, that the 15h century hermit Niklaus von Flüe used a stone as a pillow. With his Ranft retreat becoming a place of almost obligatory pilgrimage, the stone within the hermitage keeps disappearing. It is being replaced regularly with a stone from the nearby river Melchaa.





































Alls wo hätt chennä passierä, minus alls wo passierd. Dr scheenscht Plural wos gid: Zuekümft.

































































Die Fischpopulationen in den Obwaldner Bächen und Seen sind unter den aktuellen Bedigungen nicht mehr selbsttragend. Bachforellen werden deswegen in den Bergbächen gestreift und die Jungfische anschliessend im Tal gezüchtet. Fische mit Mindestmass werden dann in die Berge gefahren, von Fischern gefangen und als Fang wieder ins Tal getragen.
Since the natural populations are no longer self-sustaining the eggs of female river trouts are being harvested in the mountain streams. The fishes are then fostered in the valley, carried up into the lakes and brooks where they are taken down as hauls again.



































Wie bei vielen traditionellen Bräuchen, mag das ‘Trinkeln’ manchen als blosses Zitat von Etwas erscheinen, das bereits vor langer Zeit verloren gegangen ist. Vielleicht ist es aber gerade diese Vagheit, die den Brauch mit einer sich verändernden ländlichen Identität längerfristig kompatibel macht.

As with many customs today to some the practise of “Trinkeln” might appear only as a citation of something lost long ago. Yet it could be this vagueness that will make this rite compatible with changing rural identity.
































Ein Mädchen aus dem Dorf sieht in die Kamera. Ein Bild vom heiligen Bruder Klaus sieht auf die Sachsler Hauptstrasse.

A local girl looking into the camera. A painting of the saint Brother Klaus looking onto the mainroad in Sachseln. 











Der Zug ist das bevorzugte Transportmittel für die vielen Touristen, die durch das Tal reisen. Ein Bauer hat rosa Siloballen vor der angrenzenden Zugstrecke gestapelt, um auf Krebsforschung aufmerksam zu machen. / The train is the favoured means of transportation for the many tourists that are travelling through the valley. A farmer has placed pink silage bales within sight of the railroad to raise awareness for cancer research.














Als ich Seline kennenlernte, bemerkte ihre Grossmutter halb witzelnd die Beziehung zu einem Obwaldner. Früher sei man heimgeholt worden, wenn in Nidwalden ein Obwaldner “z’Tanz” war. Die Geschichte, 1798 habe ein Betrug der Obwaldner zu den ‘Tagen des Schreckens’ geführt hat sich als genauso falsch, wie langlebig und produktiv erwiesen. 

When I met Seline, her grandmother was half-jokingly querying her relationship with a man from Obwalden. When she was young one was encouraged to leave events where men from Obwalden were attending. The story of the Obwalden betrayal leading to the ‘days of infamy’ in Nidwalden in 1798 is just as false as its longevity and productivity is fascinating.










Sommer in den Bergern.


Summer in the mountains.










































Obwohl ‘Tristen’ eine altbewährte Methode zum Trocknen von Gras darstellen, gibt es nur noch zwei organisierte Gruppen, die noch Tristen bauen. Von der kantonalen Verwaltung gibt es präzise Anweisungen zum Aufbau, da nur so Subventionen beantragt werden können. Für den ‘Tristenspitz’ wird ein Rasenziegel empfohlen, hier ist es Plastik.




Altough “Tristen” are a reliable way to dry grass, only two groups of people are still making them in Obwalden. There are precise instructions on how to build them in order to receive subsidies. These three are covered with plastic instead of a soil/grass-compound.













Als die Kantonspolizei vor Kurzem einen vermissten Pilzler suchte, fand man nicht eine, sondern zwei Leichen im abgelegenen Grossschlierental. Gemäss Berichten sei die räumliche Distanz der Körper aussergewöhnlich gering gewesen, obwohl die festgestellten Todeszeitpunkte viele Monate auseinander lagen. Die erste Deutung, wonach es sich bei einem der Beiden um einen Bewohner eines nahen Asylzentrums handle, wurde nach einiger Zeit verworfen. Die Umstände bleiben ungeklärt. An derselben Stelle – aber im Jahr zuvor – strotzte der Wald vor Heidelbeeren.



When the local police went looking for a missing mushroomer in 2019 they actually found two corpses in the remote Grossschlieren valley. The spacial distance of the bodies was reported to be queasily minimal although the deaths were months apart. While the official interpretation identifying the second body as a strayed man who had been living in a nearby asylum centre has been falsified by now, the circumstances remain unclear. At the exact place, but in the year before this happened, the forest brimmed over with blueberries.

























Mark