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Es ist sechs Uhr früh und noch nicht einmal die Möwen sind wach. Die ausser-ordentliche Situation der letzten Monate hat mich vorhin auf die Idee gebracht, jemandem zuzusehen, der trotz nationalem Notstand ordentlich Arbeit haben wird. Die Idee: gefischt wird so oder so, schliesslich werden ja nicht die Fische krank, sondern wir, oder? Jetzt schwappt das Wasser des Bielersees leise an den Bug des Boots unter uns. Die guten Tage der Eglisaison haben bereits angefangen und Stefan Dasen weiss genau, wo die Netze gesetzt werden müssen. Sorgsam lässt er die Leinen durch seine Hände gleiten. Obwohl das Meiste anders ist: immerhin die Kälte hat die Berufsfischerei mit dem mir lieben Bachfischen gemeinsam. Ich finde, Stefan hat einen ehrlichen Beruf. Und ich lerne, dass man die Fische durchaus im See lassen kann. Oder, im Falle einer Pandemie, eher muss – weil der Absatz fehlt. Die fiese Krankheit schafft es also doch bis unter die Wasseroberfläche und zu den Fischen. “Wer sich um die Fischer kümmern will, muss nur zu den Fischen Sorge tragen.” Mir dämmert, dass es vielleicht ausnahmsweise nicht die Wasserqualität ist, die diesem Beruf vorranging zu schaffen macht. Fischer*innen gibt es nur so lange, wie Fisch gegessen wird.